Über Begriffe lässt sich trefflich streiten. Fragen brauchen Antworten. Welche Art von Diskurs ist gewünscht? Welcher notwendig?

Ich halte den Beitrag von Hrn. Iridius-Göller für grundsätzlich interessant. Nur wirkt er auf mich irgendwie „in der Luft hängend“, enthält keine Frage und bietet auch keinen Anreiz, darauf inhaltlich zu reagieren. Es würde (mir) die Diskussion erleichtern, wenn die AutorInnen ihre Beiträge in irgendeiner Form mit dem (bisherigen) Diskurs verknüpfen, sich zu diesem kritisch oder zustimmend äußern, einzelne Elemente aufgreifen würden usf. Weiters braucht jeder wissenschaftliche Diskurs klare Fragestellungen – was tun mit Antworten auf Fragen, die (bisher) noch gar nicht gestellt wurden?

Fragen zu stellen ist ja kein Zeichen von Unwissenheit oder Unfähigkeit, im Gegenteil, gute Fragen zeugen von Sachkenntnis und der Fähigkeit zur kritischen Auseinandersetzung mit einem Thema. Fragen sind auch ein Signal der Öffnung anderen Menschen und Positionen gegenüber – Voraussetzung für einen lebendigen Diskurs. Fragen sollten Ausgangspunkt jedes Diskurses sein, die Einigung über die – aus Sicht der DiskutantInnen – relevanten Fragen schätze ich für wichtiger ein, als Diskussionen über begriffliche Festlegungen, da sich über Begriffe vortrefflich und unendlich streiten lässt, ohne in der Sache weiter zu kommen, sich anzunähern, Brücken zueinander zu bauen. Aufgrund der langen Geschichte der Warenkunde kann ein gemeinsamer Wortschatz und ein grundsätzliches Begriffsverständnis vorausgesetzt werden, denke ich.

Wenn die Ausgangsthese von Hrn. Kollmann stimmt, dass das Fach der Warenkunde in seiner Existenz bedroht sei, dann sollte es zunächst eher darum gehen, Strategien zu entwickeln um dessen Existenz zu sichern, es an die Anforderungen der Gesellschaft auszurichten und ihm dadurch Existenzberechtigung zu verleihen. Da braucht es einerseits ein klares Profil und andererseits, die Identifikation und anschauliche Beschreibung von Problemlagen, die idealerweise mit den Methoden und Instrumenten dieses Faches bearbeitet werden können.

Vielleicht müsste vorerst die Ausgangsthese diskutiert werden, wenn dazu unterschiedliche Positionen existieren. M.E. ist diese schwer zu widerlegen, zumindest existiert im deutschsprachigen Raum meines Wissens kein Lehrstuhl dieses Namens mehr und der Begriff „Ware“ wird auch von eingefleischten Warenkundlern verhältnismäßig selten verwendet, meist finden sich Begriffe wie Produkt oder Gut.

Sollte die Diagnose stimmen, dann erübrigt sich die Diskussion über Paradigmen und Begriffe – aber nicht weil es an engagierten und kompetenten DiskutantInnen mangelt, sondern weil die Gesellschaft des Faches und daher der Diskussion nicht mehr bedarf.

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Ein Gedanke zu „Über Begriffe lässt sich trefflich streiten. Fragen brauchen Antworten. Welche Art von Diskurs ist gewünscht? Welcher notwendig?

  1. > Nur wirkt er auf mich irgendwie „in der Luft hängend“, enthält
    > keine Frage und bietet auch keinen Anreiz, darauf inhaltlich
    > zu reagieren.

    Liebe Frau Hübner, ich sehe das auch so, darum bin ich für Ihren Beitrag – wie auch für den Beitrag von Kollegen Göller – wirklich dankbar.
    Das was Sie beschrieben haben illustriert nämlich das Dilemma der WL und die Diskursverweigerung (inklusive der persönlichen Einsichtssperre) der „Naturalisten“ recht anschaulich.

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